Mehr als 2.000 Plastikflaschen, die sonst im Abfall hätten landen können, erfüllen nun an einer Schule im australischen Canberra einen neuen Zweck. Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie Familien sammelten die Behälter, um ein Gewächshaus für den Schulgarten und den naturwissenschaftlichen Unterricht zu errichten. Der geschützte Bereich kann die Anbauzeiten im Jahresverlauf verlängern.
Wie wurden Tausende Flaschen zu den Wänden eines Gewächshauses?
Das Vorhaben entstand an der Richardson Primary School und trägt den Namen „Plastic Palace“. Lehrerin Kate Davis begann bereits Jahre vor der Fertigstellung mit der Planung und rechnete zunächst mit rund 2.000 Flaschen. Weil das Gewächshaus letztlich groß genug werden sollte, um eine ganze Klasse aufzunehmen, wurden noch mehr Behälter benötigt.
Die Flaschen wurden mit einem stabilen Holzgerüst kombiniert. Die Konstruktion besteht also nicht allein aus recycelten Behältern: Holzrahmen tragen die transparenten Reihen, halten sie in Position und bilden Wände, welche die Pflanzen vor Wind schützen und ein anderes Umfeld schaffen als der offene Schulgarten.
Wie werden die Flaschen zu Gewächshauswänden zusammengesetzt?
Für diese Methode werden saubere Behälter zunächst zu langen Säulen angeordnet und anschließend in den Holzrahmen befestigt. So lässt sich eine große Zahl aussortierter Verpackungen weiterverwenden, während Licht durch die Hülle des Recycling-Gewächshauses dringen kann.
- Die Flaschen werden gesammelt und gereinigt;
- Der Boden jedes Behälters kann entfernt werden, damit sie ineinandergesteckt werden können;
- Eine Flasche wird auf die nächste gesteckt, bis eine Säule entsteht;
- Die Säulen werden senkrecht in den Holzrahmen eingesetzt;
- Die Reihen werden befestigt, damit sie Wind standhalten und ausgerichtet bleiben;
- Türen und Lüftungsöffnungen vervollständigen die Konstruktion.
Warum verlängert dieser geschützte Bereich die Anbauzeit?
Die durchsichtigen Wände lassen Sonnenstrahlung hinein und verringern, dass Jungpflanzen Wind sowie schnellen Veränderungen der Umgebung unmittelbar ausgesetzt sind. Dadurch entsteht ein geschützteres Mikroklima, das für die Keimung, die Entwicklung von Setzlingen und die Verlängerung bestimmter Anbauzyklen hilfreich ist.
Das bedeutet nicht, dass Plastikflaschen ein Bauwerk automatisch in ein professionelles Gewächshaus verwandeln, in dem jede Pflanzenart während aller Monate angebaut werden kann. Wie gut es funktioniert, hängt von Klima, Ausrichtung zur Sonne, Belüftung und Bauweise ab; unter passenden Bedingungen erweitert der geschützte Raum jedoch die Anbaumöglichkeiten über das Jahr hinweg.
Was gewannen die Schülerinnen und Schüler außer einem Ort zum Pflanzen?
Der Bau wurde zugleich zu einer praktischen Form der Umweltbildung. Statt Recycling nur im Unterricht zu thematisieren, musste die Schulgemeinschaft Tausende Verpackungen zusammentragen und konnte nachvollziehen, wie viel Material verbraucht wird, bevor genug für den Bau der Wände vorhanden ist.
- Weggeworfene Flaschen erhielten eine zweite Verwendung;
- Die Schülerinnen und Schüler begleiteten reale Bauphasen;
- Im Gewächshaus wachsen Setzlinge für den Schulgarten;
- Der Bereich ermöglicht Versuche zu Pflanzen und Klima;
- Die Gemeinschaft beteiligte sich unmittelbar an der Materialsammlung;
- Recycling und Lebensmittelanbau finden im selben Umfeld statt.
Ein Gewächshaus, das auch die Grenzen von recyceltem Plastik zeigt
Die Flaschen sind weiterhin der Sonne ausgesetzt; mit der Zeit altert das Plastik und muss ersetzt werden. Zudem braucht die Anlage Holz, Befestigungselemente, Wartung und eine ausreichende Belüftung. Das zeigt, dass die Wiederverwendung der Behälter ein belastbares Baukonzept nicht überflüssig macht.
Der wichtigste Ertrag des Projekts liegt in der Verbindung von Recycling, Anbau und Umweltbildung. Mehr als 2.000 Verpackungen sind nicht länger bloß Abfall, sondern bilden einen Ort, an dem Kinder Setzlinge ziehen, die Entwicklung von Pflanzen verfolgen und praktisch verstehen können, wie lange ein Einweggegenstand nützlich bleiben kann, bevor er wieder zu Abfall wird.
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