Oliver Zipse, Vorstandsvorsitzender der BMW Group, hat erneut die langfristige Bedeutung von Wasserstoffantrieben – also Brennstoffzellen – für die Unternehmensstrategie unterstrichen. Zugleich beanstandete er, dass die Europäische Union ausschliesslich auf batterieelektrische Fahrzeuge setze.
BMW setzt auf technologieoffene Antriebe
„Ein Hersteller wie wir braucht alle Antriebssysteme“, erklärte Zipse. „Wir dürfen uns nicht auf nur eines beschränken. Flexible Plattformen, auf denen dasselbe Fahrzeug unterschiedliche Antriebsarten nutzen kann, sind der richtige Weg.“ Kundinnen und Kunden sollten selbst entscheiden können, welche Motorisierung ihren Anforderungen am besten entspricht, so der Manager.
Nach Einschätzung des BMW-Chefs reichen batterieelektrische Fahrzeuge allein nicht aus, um die Dekarbonisierungsziele der EU zu erfüllen (Quelle: Automotive News Europe). Dies gelte insbesondere für Märkte mit unzureichender Ladeinfrastruktur oder einem eingeschränkten Zugang zu erneuerbarer Energie.
Zipse bemängelte ausserdem, dass die EU ihren Blick zu stark auf Emissionen aus dem Auspuff richte. Weitere Massnahmen der Hersteller zur Verringerung des CO₂-Fussabdrucks würden in der Berechnung nicht berücksichtigt, etwa der Bau emissionsfreier Fabriken oder der Einsatz von CO₂-armem Stahl im Fahrzeugbau.
Europa verliert bei Wasserstoff an Boden
BMW zählt derzeit zu den wenigen Automobilherstellern, die gemeinsam mit Toyota weiterhin in Wasserstoff-Pkw investieren. „Alle anderen Technologien haben begrenzte Möglichkeiten, und deshalb wird Wasserstoff eine immer wichtigere Rolle spielen“, ergänzte Zipse.
Der Vorstandsvorsitzende verwies zudem auf die Fortschritte anderer Staaten. „Die entscheidenden Investitionen in diese Technologie finden in China, Japan, Südkorea und nun auch in Kalifornien statt. Wenn wir nicht investieren, werden es andere tun“, sagte er.
Mehrere chinesische Hersteller sowie Toyota und Hyundai bauen ihre Investitionen in Wasserstoff-Brennstoffzellentechnik aus. Zipse möchte diese Gelegenheit nutzen, um BMW unter den europäischen Herstellern an die Spitze dieser Technologie zu führen.
Förderung für BMW-Wasserstoffantriebe
Die deutsche Regierung unterstützt dieses Vorhaben. Das Bundesministerium für Verkehr und die bayerische Staatsregierung investieren 273 Millionen Euro, um BMW bei der Entwicklung von Wasserstoffantrieben für Pkw zu fördern, die mit bestehenden Fahrzeugarchitekturen kompatibel sind.
Ist Wasserstoff die richtige Lösung?
Zipse betrachtet wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen-Elektrofahrzeuge zwar als praktikable Alternative zu batterieelektrischen Fahrzeugen, doch es gibt auch kritische Stimmen. Peter Mock, Europa-Geschäftsführer des International Council on Clean Transportation, betont, dass Brennstoffzellenfahrzeuge noch weniger ausgereift und deutlich teurer seien als batterieelektrische Modelle.
„Die Zukunft ist elektrisch“, sagte Mock. Seiner Ansicht nach sind rein batterieelektrische Fahrzeuge derzeit die effizienteste und kostengünstigste Möglichkeit, den Verkehr zu dekarbonisieren. Das Fehlen eines öffentlichen Wasserstoff-Tankstellennetzes bleibt das grösste Hindernis für eine breite Einführung dieser Technologie.
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