Fossile Energien verbrennen, um den enormen Bedarf der KI zu decken – ganz wie zu Zeiten der industriellen Revolution? Musks jüngstes Vorhaben gefällt längst nicht allen.
Immer wieder berichten wir über die dramatischen Folgen der KI für unseren Planeten: Ökologisch ist sie in jeder Hinsicht verheerend, und kaum eine so junge Technologie hat in so kurzer Zeit derart gewaltige Mengen an Ressourcen verschlungen. Jedes Modell künstlicher Intelligenz benötigt für seinen Betrieb Rechenzentren, die rund um die Uhr laufen. Dort stehen Tausende GPUs, deren Kühlung Millionen Liter Wasser verbraucht. In dieser Hinsicht weist KI durchaus Merkmale bestimmter Bereiche der Schwerindustrie auf.
Diese physische Realität müssen auch die Tech-Giganten anerkennen: Es braucht stets mehr Strom. Google setzt zur Stillung seines Energiehungers etwa auf Kernkraft, Microsoft ebenfalls. Auch xAI, das von Elon Musk gegründete Start-up, stellt sich dieser Herausforderung – allerdings mit einer Lösung, die ziemlich … rückwärtsgewandt wirkt. Das Unternehmen kündigte an, ein mit Erdgas betriebenes Kraftwerk bauen zu wollen, um einen neuen Computerkomplex für das Training seiner KI-Modelle zu versorgen. Das Projekt sorgt schon jetzt für Unmut und wird demnächst vom Mississippi Department of Environmental Quality (MDEQ) geprüft. In einer Sitzung soll entschieden werden, ob die erforderlichen Genehmigungen für die Anlage erteilt werden. Etwas Neues mit sehr alten Methoden schaffen? Es liegt förmlich Gasgeruch in der Luft.
Musk und Gas: eine neue Love Story, die Husten auslöst
In Southaven, einer seelenlosen Schlafstadt rund 15 Minuten von Memphis (Mississippi) entfernt, hat Musks Unternehmen ein riesiges bestehendes Logistikgebäude gekauft und zu einem Rechenzentrum umgebaut. Es trägt den Namen Macrohardrr: Vermutlich handelt es sich um einen gezielten kleinen Seitenhieb auf Konkurrent Microsoft – ein Wortspiel auf Schulhofniveau –, auch wenn dies nicht offiziell bestätigt ist. Bill Gates gründete Microsoft, was wörtlich etwa „klein und weich“ bedeutet; Musk errichtet dagegen Macrohardrr, also „groß und hart“: eine phallische, testosterongeladene Antwort.
Für diese neue Infrastruktur plant das Unternehmen ein Erdgaskraftwerk. Derzeit wird der Standort mithilfe sogenannter „temporärer“ Gasturbinen betrieben. Wenig überraschend stößt die Aussicht auf die Ansiedlung eines solchen Monstrums in der Region nicht überall auf Zustimmung. Mehrere Umwelt- und Bürgerrechtsorganisationen, darunter die NAACP (National Association for the Advancement of Colored People), protestieren bereits.
MDEQ-Sitzung zur xAI-Genehmigung unter Kritik
Unter anderem versuchten diese Gruppen, eine Verschiebung der Sitzung des MDEQ zu erreichen. Ihrer Auffassung nach wird die Entscheidung überhastet getroffen; besonders kritisieren sie jedoch die Rahmenbedingungen der Sitzung: Sie ist auf den Tag der Vorwahlen 2026 angesetzt und findet in Jackson, der Hauptstadt des Bundesstaates, knapp 320 km von Southaven entfernt statt. Man kann xAI und den örtlichen Behörden nur einen ausgeprägten Sinn für Timing bescheinigen: Wenn das Volk stört, verlegt man die Sitzung eben dorthin, wo es nicht protestieren kann.
In einem Schreiben an die Aufsichtsbehörde erklärte die NAACP, dass diese Wahl den unmittelbar von der Anlage betroffenen Anwohnern die Teilnahme erheblich erschwere. Die Organisation spricht sogar von einer Lage, die „sowohl ein bürgerliches Dilemma als auch eine unnötige finanzielle Belastung für schwarze Anwohner und Menschen mit niedrigem Einkommen darstellt, die in der Nähe des Standorts leben“. Das MDEQ lehnte den Antrag auf Verschiebung ab und verwies darauf, dass sein Genehmigungsausschuss seit Jahrzehnten jeweils am zweiten Dienstag eines Monats tagt und seine Entscheidungen den gesamten Bundesstaat betreffen.
Mehrere Anwohner berichten bereits von dauerhaftem Lärm durch die Gasturbinen, mit denen xAI seine Anlagen vorläufig versorgt. Andere fürchten mögliche Folgen für Luftqualität und öffentliche Gesundheit. Eine Untersuchung von Forschern der University of Tennessee legt zudem nahe, dass der frühere Einsatz vergleichbarer Turbinen durch das Unternehmen bereits zu einer Zunahme der Luftverschmutzung in der Region Memphis beigetragen hat. Warum sich schließlich mit Umweltvorsorge aufhalten, wenn das Gebiet ohnehin schon belastet ist?
Widerstand gegen das Erdgaskraftwerk von xAI
Im vergangenen Monat reichte die NAACP sogar eine Klageabsichtserklärung gegen xAI ein und warf dem Unternehmen mögliche Verstöße gegen den Clean Air Act vor. Bei einer öffentlichen Anhörung in Southaven kamen nahezu 200 Einwohner – Ärzte, Eltern, Lehrkräfte und lokale Verantwortliche –, um die Behörden dazu aufzufordern, keine Genehmigung für neue Energie- und IT-Infrastrukturen zu erteilen, solange es nicht mehr Transparenz und Umweltgarantien gebe. Diese Oppositionsbewegung brachte das MDEQ jedoch nicht zum Einlenken. Die Behörde muss nun in den kommenden Tagen bestätigen oder ablehnen, ob xAI sein großes Kraftwerk errichten darf.
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