Bei anhaltendem Frost läuft die Heizung in vielen Wohnungen scheinbar ohne Pause – und die Stromrechnung steigt rasant.
Vor allem vor dem Arbeitsbeginn am Morgen und nach der Rückkehr am Abend wird der Thermostat häufig spontan höher gedreht. Das wirkt naheliegend, kann finanziell jedoch besonders ungünstig sein. Energieexperten erläutern, wie sich die Heizkosten durch zwei bewusst gewählte Zeitfenster merklich senken lassen, ohne dass man frierend im Pullover auf dem Sofa sitzen muss.
Warum der Zeitpunkt beim Heizen so viel ausmacht
Während der Heizperiode erreicht der Stromverbrauch insbesondere morgens und abends hohe Werte. Heizungen, Herde, Warmwasserboiler, Waschmaschinen und häufig auch Elektroautos sind dann gleichzeitig in Betrieb. Genau in diesen Zeiträumen reagieren zahlreiche Haushalte gleich: Sie drehen die Heizung weit auf, damit es rasch warm wird.
Dadurch fällt der eigene Verbrauch genau in die nationale Lastspitze. Strom wird in diesen Stunden besonders stark nachgefragt, Kraftwerke müssen ihre Leistung erhöhen und Reserven kommen zum Einsatz. Diese Spitzenlasten haben zwei Folgen: Sie können die persönliche Rechnung erhöhen und die Netzstabilität beeinträchtigen.
Wer zur gleichen Zeit heizt wie alle anderen, zahlt tendenziell mehr und belastet das Netz am stärksten.
Insbesondere bei zeitvariablen Stromtarifen oder künftigen dynamischen Tarifen können diese Spitzen teuer ausfallen. Steigt die Netzlast zu stark, appellieren Netzbetreiber zugleich zum Sparen. Daher sollte die eigene Heizung möglichst kurz vor den Verbrauchsspitzen laufen – und nicht genau währenddessen.
Die zwei idealen Zeitfenster für weniger Verbrauch
Energieprofis raten dazu, die Heizleistung in zwei eindeutig festgelegte Phasen zu legen. Damit bleibt die Wohnung behaglich, während sich der Stromverbrauch effizienter verteilt.
1. Morgen: kurz vor dem großen Andrang heizen
Viele schalten die Heizung erst ein, wenn der Wecker klingelt und sie aufstehen. Damit heizen sie mitten in der Hauptlastzeit zwischen sieben und neun Uhr. Sinnvoller ist ein etwas früherer Beginn.
Optimal ist es, die Heizung zwischen 6.30 Uhr und 7.30 Uhr laufen zu lassen – bevor der landesweite Verbrauch sein Maximum erreicht.
So können sich die Räume erwärmen, bevor Herd, Dusche und tausende weitere Heizkörper gemeinsam die Lastspitze verursachen. Beim Frühstücken und Fertigmachen bleibt die Temperatur anschließend meist weiterhin angenehm.
2. Abend: moderat durchheizen statt hektisch aufdrehen
Nach Feierabend zeigt sich ein ähnliches Muster. Viele kommen leicht durchgefroren nach Hause und drehen den Thermostat kräftig auf. Das führt zu kurzen, besonders intensiven Heizphasen in ohnehin stark ausgelasteten Stunden.
Stattdessen empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:
- die Heizung gegen 17.30 Uhr einschalten
- bis etwa 21 Uhr eine durchgehend moderate Temperatur halten
Auf diese Weise kann die Heizung gleichmäßig arbeiten, anstatt innerhalb kurzer Zeit mit voller Leistung aufzuheizen. Die Räume speichern Wärme, während das Netz nicht stärker als erforderlich belastet wird.
Heizgewohnheiten smart anpassen – so klappt es im Alltag
Für diese Anpassung muss niemand den gesamten Alltag umstellen. Vieles lässt sich über Technik regeln, die in zahlreichen Haushalten bereits vorhanden ist: den programmierbaren Thermostat.
Die meisten modernen Steuerungen ermöglichen es, für jeden Wochentag konkrete Uhrzeiten und Temperaturen zu programmieren. Wer sich einmal mit den Einstellungen beschäftigt, profitiert später von einem weitgehend automatischen Ablauf.
Praktische Maßnahmen auf einen Blick:
- Heizprogramm morgens umstellen: Die Heizphase auf 6.30 bis 7.30 Uhr setzen, statt erst um sieben oder noch später zu beginnen.
- Abendphase früher beginnen: Um 17.30 Uhr mit leicht erhöhter Leistung starten und anschließend eine angenehme, gleichbleibende Temperatur einstellen.
- Starke Temperatursprünge vermeiden: Nicht von 18 auf 23 Grad hochheizen, sondern besser konstant bei etwa 20 Grad bleiben.
- Nur verwendete Räume ausreichend heizen: Wohnzimmer und Arbeitszimmer komfortabel temperieren, Flur und Gästezimmer dagegen kühler halten.
Konstante, gut geplante Wärme verbraucht weniger Energie als ständiges Auf- und Zudrehen des Thermostats.
Verschiedenen Berechnungen zufolge können eine durchdachte Programmierung und leicht niedrigere Temperaturen die Heizkosten um bis zu 15 Prozent reduzieren. Über ein Jahr hinweg ergibt das einen spürbaren Betrag.
Was die ideale Temperatur mit dem Geldbeutel zu tun hat
Neben der Uhrzeit beeinflusst auch die eingestellte Raumtemperatur die Kosten erheblich. Viele Wohnungen werden schlicht zu stark beheizt. Jedes Grad weniger verringert den Energieverbrauch durchschnittlich um rund sechs Prozent, besonders bei langen Heizphasen.
| Raum | Empfohlene Temperatur |
|---|---|
| Wohnzimmer | 19–21 Grad |
| Schlafzimmer | 16–18 Grad |
| Küche | 18–19 Grad |
| Bad (zu Nutzungszeiten) | 21–23 Grad |
| Flur, Nebenräume | 16–18 Grad |
Wer diese Orientierungswerte mit den empfohlenen Zeitfenstern verbindet, nutzt ein doppeltes Sparpotenzial: weniger Kilowattstunden und eine geringere Belastung während der teuersten Verbrauchsspitzen.
Wie Gebäudeart und Technik den Effekt beeinflussen
Nicht jede Wohnung reagiert auf veränderte Heizzeiten in gleicher Weise. Ein älteres, nur schwach gedämmtes Haus verliert Wärme wesentlich schneller als ein modernes Niedrigenergiegebäude. Auch die Art des Heizsystems ist entscheidend.
Träge Systeme vs. Schnellheizer
Fußbodenheizungen und massive Wände halten Wärme lange vor, brauchen jedoch mehr Zeit, um zu reagieren. Bei solchen Systemen kann es sinnvoll sein, die Vorlaufzeiten etwas weiter vorzuziehen, damit die gewünschte Temperatur zur passenden Zeit erreicht wird.
Elektrische Direktheizungen oder Infrarotpaneele erzeugen dagegen beinahe sofort Wärme, die allerdings ebenfalls schneller verloren geht. Hier bietet sich eine präzisere zeitliche Steuerung an, gegebenenfalls in kleineren Abschnitten.
Smart-Home hilft beim Feintuning
Mit smarten Thermostaten lassen sich die empfohlenen Zeitfenster vergleichsweise einfach als Automationen einrichten. Manche Systeme berücksichtigen Wetterdaten oder Stromtarife und passen die Heizphasen dynamisch an. Bei besonders kalten Tagen oder speziellen Tarifmodellen kann sich die Morgen- oder Abendphase dadurch leicht verschieben.
Weitere Stellschrauben für weniger Heizkosten
Zusätzlich zu den Zeitfenstern können einige kleine Alltagsmaßnahmen den Spareffekt verstärken. Viele kosten fast nichts und entfalten dennoch eine dauerhafte Wirkung.
- Heizkörper nicht durch Möbel oder Vorhänge verdecken, damit die Wärme ungehindert zirkulieren kann.
- Fünf bis zehn Minuten stoßlüften, statt Fenster dauerhaft gekippt zu lassen – besonders während der Heizphasen.
- Dichtungen an Fenstern und Türen kontrollieren sowie bei älteren Türen Zugluftstopper einsetzen.
- Rollläden und Vorhänge nachts schließen, um Wärmeverluste zu reduzieren.
Mieter können zumindest Thermostatventile austauschen und einen programmierbaren Regler nachrüsten. Für Eigentümer kann sich im Zuge einer ohnehin geplanten Modernisierung ein Blick auf die Dämmung und den Zustand der Heizanlage lohnen.
Warum sich das bewusste Heizen gleich mehrfach lohnt
Viele Haushalte sorgen sich wegen der kommenden Heizkostenabrechnung. Die beschriebenen Zeitfenster liefern eine einfache Orientierung, um ohne Einbußen beim Komfort merklich zu sparen. Wer morgens etwas früher heizt und abends gleichmäßig statt abrupt hochdreht, entlastet das Netz und profitiert häufig von günstigeren Konditionen.
Zugleich verringert jede eingesparte Kilowattstunde den persönlichen CO₂-Ausstoß. Gerade in kalten Wochen ergeben viele kleine Entscheidungen zusammen einen großen Nutzen – für das Portemonnaie ebenso wie für die allgemeine Versorgungssicherheit. Eine sinnvoll gesteuerte Heizung schafft somit nicht nur warme vier Wände, sondern auch mehr Stabilität im gesamten System.
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