Im Februar 1958 geriet ein amerikanischer Bomber während einer Militärübung in eine Kollision in der Luft und musste eine höchst ungewöhnliche Last abwerfen: eine thermonukleare Mark-15-Bombe. Der Sprengkörper fiel in die Gewässer vor der Küste des US-Bundesstaats Georgia. Auch mehr als sechs Jahrzehnte später ist er noch immer nicht geborgen worden.
Wie gelangte eine Atombombe ins Meer?
Der Vorfall ereignete sich am 5. Februar 1958 während eines Trainingsflugs eines B-47 Stratojet. In der Luft stieß der Bomber mit einem F-86 Sabre-Kampfjet zusammen. Die B-47 wurde erheblich beschädigt, sodass ihre Besatzung unter schwierigen Bedingungen eine Landung vorbereiten musste.
Problematisch war die Bombe im Bombenschacht. Der Pilot befürchtete, dass bei einer Landung mit dem Sprengkörper an Bord dessen konventioneller Sprengstoff explodieren könnte. Er beantragte deshalb die Erlaubnis zum Abwurf und erhielt sie. Daraufhin wurde die Mark 15 über dem Wassaw Sound nahe Tybee Island abgeworfen.
Was geschah nach dem Absturz der Bombe?
Die Waffe wog rund 7.500 Pfund beziehungsweise etwa 3,4 Tonnen und landete in einem Flachwassergebiet mit schlammigem Grund. Nach Einschätzung der Luftwaffe könnte der schwere Gegenstand beim Aufprall tief in den Schlamm eingedrungen sein. Damit war die Suche deutlich komplizierter, als lediglich den Meeresboden abzusuchen.
Militärische Einheiten begannen eine umfangreiche Suchaktion, doch eine in Sedimenten vergrabene Bombe aufzuspüren, erwies sich als außerordentlich schwierig. Nach ungefähr zehn erfolglosen Wochen stellten die Behörden die Suche ein und stuften die Waffe als nicht bergbar ein. Seither ist der Fall als Rätsel der Tybee-Bombe bekannt.
Warum war die Suche nach der Mark 15 so schwierig?
Die Bedingungen vereinten nahezu alle Hindernisse einer solchen Suche: Wasser, Schlamm, Sedimente sowie ein ausreichend großes Gebiet, das die genaue Bestimmung der Einschlagstelle erschwerte. Die Luftwaffe selbst ging davon aus, dass die Bombe rund 15 Fuß – etwas mehr als 4,5 Meter – tief in den schlammigen Untergrund eingedrungen sein könnte.
- Während einer Militärübung im Jahr 1958 kollidierte eine B-47 mit einem F-86-Kampfjet.
- Der Pilot erhielt die Genehmigung, die Bombe vor dem Landungsversuch abzuwerfen.
- Der Sprengkörper fiel in den Wassaw Sound nahe Tybee Island.
- Nach etwa zehn Wochen Suche galt die Bombe als nicht bergbar.
Jahrzehnte später rückten weitere Untersuchungen möglicher Fundorte den Fall erneut in den Fokus. 2004 nahm ein Team aus Fachleuten verschiedener US-Behörden Wasser- und Bodenproben, nachdem von ungewöhnlichen Strahlungsmesswerten berichtet worden war. Eine Bergung des Sprengkörpers ergab sich daraus jedoch nicht.
Sehen Sie sich das vom YouTube-Kanal Hoje no Mundo Militar veröffentlichte Video über die Atomwaffen an, die bis heute verschollen sind.
Könnte die verlorene Bombe explodieren?
Die Bezeichnung „verlorene Atombombe“ weckt verständlicherweise Aufmerksamkeit, doch ein entscheidender Aspekt muss berücksichtigt werden. Nach Angaben der United States Air Force enthielt der Sprengkörper nicht die Kapsel, die für eine nukleare Detonation erforderlich gewesen wäre. Behörden erklärten daher, von der verschwundenen Waffe gehe keine Gefahr einer Atomexplosion aus.
Das bedeutete allerdings nicht, dass es sich bloß um eine harmlose Hülle handelte. Die Bombe enthielt ungefähr 400 Pfund konventionellen Sprengstoff; Behörden räumten ein, dass diese Stoffe Anlass zur Sorge geben könnten, falls sie entdeckt und angefasst würden. Zwischen der Vorstellung einer nuklearen Explosion und den Risiken eines alten militärischen Sprengkörpers besteht ein wesentlicher Unterschied.
Ein Relikt des Kalten Krieges liegt weiterhin unter Wasser
Der Zwischenfall vor Tybee Island wirkt wie die Handlung eines Spannungsfilms, entstand jedoch aus der Realität des Kalten Krieges. Damals trainierten Militärflugzeuge regelmäßig mit strategischen Waffen. Durch die unerwartete Kollision wurde aus einer Übung ein Notfalleinsatz, und auf dem Grund eines Küstengebiets blieb ein Gegenstand zurück, der nie wieder in militärischen Besitz gelangte.
Bis heute fasziniert die Geschichte gerade deshalb, weil kein endgültiger Fundort bekannt ist. Die Bombe wurde abgeworfen, gesucht und nie geborgen. Solche Ereignisse führen eindringlich vor Augen, dass Entscheidungen innerhalb weniger Sekunden Folgen für Generationen haben können – auch wenn sie unter Metern von Wasser und Schlamm verborgen bleiben.
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