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Heizkosten senken: Warum Sie die Heizung nicht zu stark herunterdrehen sollten

Hand stellt Temperatur an modernem digitalen Thermostat in gemütlichem Wohnzimmer ein.

In Europa und im Vereinigten Königreich sind viele Haushalte überzeugt, den Schlüssel zu niedrigeren Heizkosten gefunden zu haben: Sobald sie das Haus verlassen, drehen sie die Heizkörper weit herunter oder schalten die Heizung sogar vollständig aus. Die Überlegung scheint einleuchtend. Fachleute für Heiztechnik warnen jedoch, dass diese vermeintlich naheliegende Lösung häufig nach hinten losgeht – mit kälteren Wohnräumen, höheren Rechnungen und stärker belasteten Anlagen.

Der grosse Fehler: die Heizung zu stark absenken

Sobald es draussen friert, wächst bei vielen die Sorge um die Energiekosten. Vor der Arbeit wird das Thermostat deshalb weit zurückgedreht. Für einen Tagesausflug oder ein Wochenende ausser Haus wird die Heizung komplett ausgeschaltet, weil jede nicht genutzte Temperaturstufe als Ersparnis gilt.

Die Rechnung wirkt zunächst simpel: Ist niemand da, muss auch nicht geheizt werden. Die Bauphysik eines Gebäudes zeichnet jedoch ein anderes Bild. Kühlt ein Haus zu stark aus, ist es bei der Rückkehr nicht nur unangenehm kalt. Es wirkt dann wie ein Wärmespeicher, der erst wieder vollständig aufgeladen werden muss.

Die Heizung abrupt stark herunterzudrehen, kann aus einem Tagesausflug einen stundenlangen Wiederaufheizvorgang machen, der mehr Gas oder Strom verbraucht als zuvor eingespart wurde.

Wände, Böden, Decken, Möbel und selbst Teppiche speichern Wärme. Werden sie zu kalt, müssen Gasheizung, Wärmepumpe oder elektrische Heizkörper nicht nur die Raumluft, sondern sämtliche ausgekühlten Bauteile wieder erwärmen. Dieser hohe Energiebedarf beim Aufheizen hebt die geringe Einsparung während der Abwesenheit oft auf – oder übersteigt sie sogar.

Warum Fachleute kleine Temperaturabsenkungen statt radikaler Einschnitte empfehlen

Heizungsfachleute nennen heute eine klare Faustregel: Wer tagsüber ausser Haus ist, sollte die Temperatur senken, aber nicht drastisch.

Bei kurzen Abwesenheiten raten Fachleute in der Regel dazu, die Solltemperatur nur um 2–3 °C zu reduzieren, statt die Heizung auszuschalten.

Liegt die übliche Raumtemperatur bei 20 °C, reichen während der Arbeitszeit meist 17–18 °C aus. Dieser geringe Unterschied bringt mehrere Vorteile:

  • Das Gebäude kühlt langsamer aus, wodurch Wärmeverluste begrenzt werden.
  • Wände und Möbel bleiben leicht temperiert, sodass sich die Räume schneller wieder aufheizen.
  • Die Heizanlage muss nicht über lange Zeit mit voller Leistung laufen.
  • Kondenswasser und das unangenehme Gefühl feuchter Kälte bei der Rückkehr werden reduziert.

Dieser schonende Ansatz steht im Gegensatz zum Alles-oder-nichts-Prinzip, das täglich starke Temperaturschwankungen verursacht. Bleibt die Temperatur in einem engeren Bereich, wird der Heizkessel oder die Wärmepumpe entlastet und das Wohngefühl bleibt gleichmässiger.

Was passiert, wenn das Zuhause zu stark auskühlt?

Die Annahme „ausschalten und Geld sparen“ berücksichtigt nicht, wie Gebäude reagieren. Sinkt die Temperatur im Wohnzimmer unter einen bestimmten Wert, wirken gleich drei Faktoren gegen Sie:

1. Massive Bauteile werden zu Kälteblöcken

Ziegel, Beton und Naturstein besitzen eine hohe thermische Masse. Kühlen diese Materialien aus, funktionieren sie wie riesige kalte Akkus. Wird das Thermostat bei der Heimkehr wieder stark hochgestellt, muss die Heizung über Stunden Wärme liefern, um zunächst die Bausubstanz und nicht nur die spürbare Raumluft zu erwärmen.

2. Kondenswasser und Feuchtigkeit nehmen zu

Auf kalten Oberflächen schlägt sich Feuchtigkeit aus der Raumluft nieder. Dann beschlagen Fenster, Wände fühlen sich klamm an und es entsteht ein leicht muffiger Geruch. Dauerhaft erhöhte Feuchtigkeit kann Schimmelbildung fördern sowie Farbe oder Putz beschädigen.

3. Unbehagen führt zum Überheizen

Die meisten Menschen reagieren auf eine eiskalte Wohnung, indem sie das Thermostat höher als üblich einstellen, „nur um wieder auf Temperatur zu kommen“. Oft werden Heizkörper in ungenutzten Räumen aufgedreht oder die Heizung läuft bis spät in die Nacht auf Hochtouren. Auch diese Reaktionen verursachen zusätzlichen Verbrauch.

Ein Zuhause, dessen Temperatur nie weit unter den Komfortbereich fällt, lässt sich leichter, günstiger und gesünder beheizen als eines, das jeden Tag zwischen kühl und überheizt schwankt.

Der Thermostat-Trick für niedrigere Heizkosten

Heizungsfachleute verweisen immer wieder auf dasselbe Hilfsmittel: ein einfaches programmierbares Thermostat oder eine smarte Steuerung. Sie muss weder besonders aufwendig noch teuer sein, um sich schnell bezahlt zu machen.

Ein gewöhnliches programmierbares Thermostat kann:

  • die Temperatur während der Arbeitszeit um 2–3 °C absenken;
  • die Heizung kurz vor der Rückkehr wieder hochfahren;
  • verhindern, dass Räume bei alltäglicher Abwesenheit unter etwa 16 °C fallen;
  • nur bei längeren Reisen in den Frostschutzmodus wechseln.

Diese Automatisierung verhindert Vergesslichkeit. Die Heizung läuft weder den ganzen Tag unnötig auf hoher Stufe, noch kommen Sie in ein eiskaltes Wohnzimmer zurück und drehen aus Frust alles auf das Maximum.

Wie weit darf die Temperatur bedenkenlos sinken?

Fachleute unterscheiden üblicherweise verschiedene Abwesenheitszeiten und nennen dafür ungefähre Zieltemperaturen:

Situation Empfohlene Raumtemperatur Grund
Übliche Abwesenheit an einem Arbeitstag (8–10 Stunden) 17–18 °C Senkt den Verbrauch und ermöglicht zugleich schnelles, effizientes Wiederaufheizen.
Kurze Abwesenheit, etwa ein Abend ausser Haus 18–19 °C Geringe Absenkung ohne spürbaren Komfortverlust bei der Rückkehr.
Wochenende ausser Haus (2–3 Tage) 16–17 °C Begrenzt Feuchtigkeit und schützt die Bausubstanz.
Urlaub von einer Woche oder länger 12–14 °C oder Frostschutz-Einstellung Verhindert gefrierende Rohre und Schimmel und reduziert gleichzeitig Kosten.

Die Botschaft der Heizungsfachleute ist eindeutig: Bei alltäglicher Abwesenheit ist Masshalten sinnvoller als vollständiges Abschalten. Nur längere Reisen rechtfertigen eine stärkere Absenkung – und in kalten Klimazonen sollte selbst dann die Frostschutztemperatur nicht unterschritten werden.

Komfort, Gesundheit und die gefühlte Temperatur

Hinzu kommt der menschliche Faktor. Behaglichkeit hängt nicht allein von der Zahl auf dem Thermostat ab, sondern auch von Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung und Strahlungstemperatur – also der Wärme umliegender Oberflächen.

Menschen empfinden einen Raum mit 20 °C oft als kalt, wenn Wände und Fenster kühl sind, fühlen sich bei 18 °C aber wohl, wenn die Oberflächen warm und trocken bleiben.

Wenn Wände und Möbel nicht tief auskühlen, steigt diese Strahlungstemperatur. Dadurch sinkt auch die Versuchung, die Luft auf 21–22 °C aufzuheizen. Über einen ganzen Winter kann diese kleine Veränderung mehrere Prozent der Heizkosten einsparen.

Alltagsszenarien: Wann die radikale Absenkung scheitert

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Haushalt A verlässt das Haus um 8 Uhr, senkt die Heizung von 20 °C auf 5 °C und kommt um 18 Uhr zurück. Die Temperatur im Haus ist dann beinahe auf das Aussenniveau gefallen. Anschliessend läuft der Heizkessel über Stunden nahezu ohne Unterbrechung, um das Gebäude bis zum Schlafengehen wieder auf eine angenehme Temperatur zu bringen.

Haushalt B geht zur selben Zeit aus dem Haus, lässt das programmierbare Thermostat aber von 20 °C auf 17 °C absenken und ab 17:15 Uhr wieder auf 20 °C hochregeln. Der Heizkessel arbeitet länger mit geringerer Leistung und verhindert damit einen starken Bedarfsspitzenwert.

Haushalt A friert bei der Ankunft und stellt das Thermostat häufig „nur kurz“ auf 22 °C. Haushalt B kommt in eine bewohnbare Wohnung und muss die Regelung kaum anfassen. Über eine Heizsaison hinweg summiert sich dieser Unterschied.

Begriffe, die Ihre Heizkostenabrechnung verständlicher machen

In Empfehlungen von Fachleuten tauchen zwei Begriffe immer wieder auf:

  • Thermische Trägheit: Sie beschreibt die Eigenschaft eines Gebäudes, Temperaturänderungen zu widerstehen. Schwere Materialien wie Stein oder Beton weisen eine hohe Trägheit auf, kühlen also langsam ab und erwärmen sich ebenso langsam. Gerade solche Häuser profitieren stärker von einer sanften, kontinuierlichen Beheizung.
  • Absenktemperatur: Das ist die etwas niedrigere Temperatur, die während der Abwesenheit oder nachts gehalten wird. Eine sinnvoll gewählte Absenktemperatur verhindert sowohl Verschwendung als auch starkes Auskühlen.

Wer diese Zusammenhänge kennt, erkennt die Falle hinter dem Gedanken „Ich drehe einfach alles weit herunter und spare ein Vermögen“ leichter. Für die meisten modernen Wohnhäuser bieten gezielte Temperaturabsenkungen statt drastischer Abschaltungen die beste Balance zwischen Komfort und Kosten.

Haushalte, die moderate Absenktemperaturen mit guter Dämmung und einem einfachen programmierbaren Thermostat verbinden, können ihre Heizkosten oft um mehrere Prozent reduzieren, ohne spürbar auf Komfort zu verzichten. Werden zusätzlich nachts Rollläden oder Vorhänge geschlossen, Zugluft vermieden und nur tatsächlich genutzte Räume beheizt, kann sich der Gesamteffekt über einen Winter deutlich bemerkbar machen.

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