Eine einfache, mit Wasser gefüllte Plastikflasche kann Sonnenlicht in Räume leiten, die tagsüber sonst dunkel blieben. Diese als Moser-Lampe bekannte Lösung wird durch einen Teil des Dachs geführt und nutzt Brechung sowie Streuung des natürlichen Lichts, um das Hausinnere ohne elektrische Lampe, Batterie oder Stromerzeugung aufzuhellen.
Wie kann eine Flasche einen Raum beleuchten?
Der obere Bereich der Flasche liegt in der Sonne, während ihr unterer Teil in das Gebäude hineinragt. Durchdringt die Sonnenstrahlung den Kunststoff und trifft auf das Wasser, wird ihr Verlauf verändert und das Licht verteilt sich in verschiedene Richtungen im Raum. Diese Streuung macht den Behälter zu einer Art kompakter Dachluke.
Ein bloßes Loch im Dach würde einen stärker gebündelten Lichtstrahl hereinlassen. Das Wasser in der Flasche verteilt die Helligkeit dagegen im Raum und kann so während der Stunden mit ausreichend Sonnenlicht draußen eine größere Fläche erhellen. Das System nutzt folglich natürliches Licht; es erzeugt und speichert keinen elektrischen Strom.
Was befindet sich in dieser Plastik-„Lampe“?
Die klassische Ausführung kommt mit sehr einfachen Materialien aus. Die geringe Menge an Bleichmittel, die dem Wasser beigefügt wird, verstärkt nicht die Helligkeit: Sie soll das Wachstum von Algen und anderen Organismen hemmen, welche die Flüssigkeit mit der Zeit trüben könnten.
- eine transparente PET-Flasche;
- ausreichend Wasser zum Füllen des Behälters;
- eine kleine Menge Bleichmittel, um die Transparenz zu erhalten;
- eine geeignete Öffnung im Dach;
- widerstandsfähiges Material zur Befestigung und Abdichtung gegen Regen.
Woher stammt die Idee der Moser-Lampe?
Das System trägt den Namen des brasilianischen Mechanikers Alfredo Moser, der während der Energiekrise in Brasilien zwischen 2001 und 2002 mit dieser Technik zu experimentieren begann. Ziel war es, eine kostengünstige Möglichkeit zu finden, Innenräume tagsüber mithilfe der Sonne aufzuhellen – besonders Gebäude mit wenigen Fenstern.
Einige Jahre später verbreitete sich das Prinzip international. Das 2011 auf den Philippinen gegründete Programm Liter of Light begann, solche Flaschen in Wohnhäusern einzubauen, und verbreitete eine Open-Source-Version, die vor Ort hergestellt werden konnte. Bereits in den ersten 20 Monaten erreichte die Initiative Hunderttausende Häuser in verschiedenen Ländern.
Welche Vorteile und Grenzen hat dieses System?
Der größte Nutzen zeigt sich in Häusern mit dünner Dachdeckung und tagsüber dunklen Innenräumen. Die Flasche verwertet einen Einwegbehälter erneut und benötigt keinen Strom, solange Sonnenlicht verfügbar ist. Die Leistung hängt jedoch von Sonnenstand, Wetter, Dacheigenschaften und der Lichtmenge ab, die auf jeden einzelnen Behälter fällt.
- funktioniert nur bei ausreichend natürlichem Licht;
- bietet in der Grundversion nachts keine Beleuchtung;
- lädt keine Batterien und erzeugt keinen Strom;
- setzt ein Dach voraus, das für den Einbau geeignet ist;
- erfordert eine sorgfältige Abdichtung, um Wassereintritt zu verhindern;
- ersetzt keine Elektroinstallation, wenn nach Sonnenuntergang Licht benötigt wird.
Warum funktioniert eine Flaschenlampe besonders gut in dunklen Häusern?
In Gebäuden mit undurchlässigen Dächern und wenigen Öffnungen kann draußen intensiver Sonnenschein herrschen, während es innen so dunkel bleibt, dass selbst am Tag eine Lampe eingeschaltet werden müsste. Die Flaschenlampe schafft genau den Durchgang für dieses Außenlicht und verteilt es im Raum. Experimentelle Tests haben mit diesem Prinzip bereits relevante Beleuchtungsstärken gemessen, auch wenn das Ergebnis je nach Bedingungen der einzelnen Installation deutlich schwankt.
Entscheidend ist, was die Flasche nicht leistet: Anders als ein Photovoltaikmodul wandelt sie Sonnenlicht nicht in Strom um. Der Behälter dient als Element der natürlichen Beleuchtung, das die tagsüber auf dem Dach verfügbare Lichtenergie in den Raum leitet und streut. Gerade die Verbindung aus Brechung, wiederverwendetem Material und geringen Kosten machte es möglich, dass diese brasilianische Idee Wohnhäuser in vielen Ländern erreichte.
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