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Chinas Laserfusion in Mianyang: Neue Dimension im Technologiewettbewerb

Futuristisches, rundes Gebäudekomplex mit leuchtendem Kuppeldach in einer Industrieanlage umgeben von Bergen.

In den weiten Regionen im Südwesten Chinas, unweit der Stadt Mianyang, entsteht möglicherweise eine der ehrgeizigsten Forschungsanlagen unserer Zeit. Der als „Laser Fusion Major Device Laboratory“ bezeichnete gigantische Komplex ist auch US-Satelliten nicht verborgen geblieben.

Die Satellitenaufnahmen zeigen ein kaum vorstellbares Bauwerk. Die vor einigen Monaten von den USA entdeckte chinesische Anlage besitzt einen sternförmigen Grundriss: Vier gewaltige Arme laufen auf eine zentrale Versuchskammer zu. In diesen Armen sollen Batterien extrem leistungsstarker Laser untergebracht werden, die auf einen winzigen Punkt gerichtet werden. Wenn alles nach Plan verläuft, soll dort das Äquivalent einer Sternreaktion im Miniaturformat entstehen.

Nach Einschätzung von Decker Eveleth, einem Forscher der CNA Corp, der die Aufnahmen ausgewertet hat, könnte die zentrale Experimentierkammer rund 50 % größer sein als jene der US-Anlage National Ignition Facility (NIF), die bislang weltweit als Maßstab für Laserfusion galt. Der Bau dieser Einrichtung in Kalifornien kostete die US-Steuerzahler 3,5 Milliarden Dollar.

Das Ausmaß dieses Projekts zeugt von einer gewaltigen Investition und einer langfristigen Vision der chinesischen Behörden“, erklärt ein anonym bleibender Experte. „Möglicherweise erleben wir einen Paradigmenwechsel in der Fusionsforschung.

Laserfusion in Mianyang und die Energie der Zukunft

Seit Jahrzehnten gilt die Kernfusion als heiliger Gral für Physik und Energiewirtschaft. Anders als die Kernspaltung, welche die heutigen Kernkraftwerke antreibt, verspricht die Fusion nahezu unbegrenzte, saubere Energie. Sie erzeugt keine langlebigen radioaktiven Abfälle und nutzt vor allem Wasserstoff als Brennstoff – das häufigste Element im Universum.

2022 erreichte die US-Anlage NIF einen historischen Meilenstein: Erstmals gelang eine Fusion mit positivem Energiegewinn, bei der mehr Energie entstand, als die Laser eingebracht hatten. Einige Forschende bezeichneten diesen Durchbruch als „Wright-Brüder-Moment“; er weckte die Aussicht auf eine kommerzielle Nutzung der Technologie in den kommenden Jahrzehnten.

Mit der neuen Anlage in bislang unbekannter Größenordnung scheint China entschlossen, nicht nur aufzuholen, sondern in diesem technologischen Wettbewerb womöglich die Führung zu übernehmen. „Wenn Peking die großskalige Fusion vor dem Westen beherrscht, könnte dies das globale Energiegleichgewicht grundlegend verändern“, urteilt ein Experte für Geostrategie.

Befürchtungen über eine militärische Nutzung

Hinter dem Versprechen sauberer und reichlich verfügbarer Energie steht jedoch eine beunruhigendere mögliche Anwendung. Die in solchen Einrichtungen verwendete Trägheitsfusion ist eng mit der Entwicklung und Instandhaltung von Nukleararsenalen verbunden. William Alberque, Analyst am Henry L. Stimson Centre, äußert offen seine Sorge:

Diese Art von Anlage ermöglicht die Simulation extremer Bedingungen, die jenen bei einer Nuklearexplosion ähneln. Sie erlaubt es, neue Waffenmodelle virtuell zu prüfen, ohne physische Tests durchzuführen, und damit die Einschränkungen des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen zu umgehen.

Während sich die Spannungen zwischen Washington und Peking verschärfen, löst diese potenzielle militärische Dimension nachvollziehbare Bedenken aus. Könnte China die Technologie einsetzen, um sein derzeit auf etwa 400 Sprengköpfe geschätztes Nukleararsenal unauffällig zu modernisieren? Das läge weiterhin weit unter den 5.500 US-Sprengköpfen. Einige Fachleute mahnen allerdings zu Zurückhaltung bei der Deutung der Entdeckung. Siegfried Hecker, ehemaliger Direktor des renommierten Los Alamos National Laboratory, relativiert:

Für China, das lediglich rund fünfzig Nuklearversuche durchgeführt hat, gegenüber mehr als tausend in den Vereinigten Staaten, wäre der Nutzen solcher Experimente geringer, da eine ähnlich umfangreiche empirische Datenbasis fehlt.

Omar Hurricane, leitender Wissenschaftler des Programms für Trägheitsfusion am Lawrence Livermore National Laboratory, erinnert zudem daran, dass „auch andere Mächte wie Frankreich, das Vereinigte Königreich und Russland Laserfusionsanlagen betreiben, wenn auch in geringerem Umfang.

Technologischer Wettbewerb zwischen China und den USA

Die internationale Wissenschaftsgemeinschaft steht damit vor einem Dilemma: Wie lassen sich Grundlagenforschung und ihre friedlichen Anwendungen fördern, während zugleich das Risiko einer militärischen Zweckentfremdung begrenzt wird?

Die Entdeckung fällt in eine Zeit, in der die Vereinigten Staaten und China bereits einen immer härter geführten Technologiekonflikt austragen. Von Halbleitern über künstliche Intelligenz bis zur Weltraumforschung und nun auch zur Kernfusion stehen sich die beiden Großmächte auf zahlreichen Feldern gegenüber.

Die Anlage in Mianyang könnte zum Sinnbild dieses neuen technologischen Kalten Krieges werden. Zugleich verdeutlicht sie Pekings Bestreben, sich in strategisch wichtigen Bereichen von westlichen, insbesondere US-amerikanischen, Technologien unabhängig zu machen. Einen ähnlichen Kurs könnte auch Europa einschlagen, nachdem Donald Trump mit seinem neuen Plan zu Zöllen einen Handelskrieg gegen die ganze Welt erklärt hat.

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