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Flaschenwasser enthält dreimal mehr Nanoplastik als Leitungswasser

Person gießt Wasser aus einer Plastikflasche in ein Glas neben einem Mikroskop in einem Labor.

Viele Menschen greifen im Supermarktregal ohne langes Zögern zu Flaschenwasser. Sie vertrauen darauf, dass eine versiegelte Plastikflasche besser vor Verunreinigungen schützt als Wasser aus dem heimischen Hahn.

Diese Annahme wirkt plausibel, denn Verpackungen vermitteln Sicherheit und Kontrolle. Neue Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass diese alltägliche Vorstellung nicht immer der Realität entspricht.

Plastikverschmutzung findet sich längst nicht mehr nur in weit entfernten Meeren oder auf Deponien. Winzige Kunststoffpartikel tauchen inzwischen auch an Orten auf, die Gesundheit und Alltag unterstützen sollen.

Ausgerechnet Trinkwasser, das immer wieder und meist ohne weitere Überlegung konsumiert wird, ist still zu einem Teil dieses wachsenden Problems geworden. Ein genauer Blick darauf, was in einem Glas Wasser landet, kann die Sicht auf eine ganz gewöhnliche Gewohnheit verändern.

Wie Kunststoff zerfällt

Kunststoffprodukte verschwinden nach ihrer Entsorgung nicht einfach. Sonnenlicht, Wärme und die fortlaufende Nutzung schwächen Kunststoffmaterialien mit der Zeit.

Bei diesem Zerfall entstehen zunächst Mikroplastikpartikel und danach noch kleinere Fragmente, die als Nanoplastik bezeichnet werden.

Nanoplastik ist für das menschliche Auge unsichtbar, kann sich aufgrund seiner geringen Größe jedoch leicht durch Wassersysteme bewegen. Flüsse transportieren diese Partikel, Seen sammeln sie, und Rohre leiten sie weiter. Klär- und Wasseraufbereitungsanlagen entfernen zahlreiche Schadstoffe, doch Kunststofffragmente gelangen häufig unbemerkt hindurch.

Forschende richten ihre Aufmerksamkeit besonders auf Nanoplastik, weil die Größe das Verhalten beeinflusst. Kleinere Partikel verbreiten sich leichter, legen weitere Strecken zurück und wechselwirken anders mit lebenden Systemen.

Diese Sorge hat die Forschung stärker auf Trinkwasser gelenkt, da Menschen ihm täglich und wiederholt ausgesetzt sind.

Flaschenwasser versus Leitungswasser

Um die Kunststoffbelastung genauer einzuordnen, untersuchten Wissenschaftler Wasser aus vier Trinkwasseraufbereitungsanlagen in der Nähe des Eriesees.

Zusätzlich analysierte das Forschungsteam sechs beliebte Flaschenwassermarken, die in den gesamten Vereinigten Staaten verkauft werden.

Die Ergebnisse zeigten einen deutlichen Unterschied: Flaschenwasser enthielt etwa dreimal so viele Nanoplastikpartikel wie aufbereitetes Leitungswasser.

„Wir können fundierte Entscheidungen treffen, um unsere tägliche Belastung durch diese schädlichen Chemikalien möglichst zu verringern“, sagte Megan Jamison Hart, Hauptautorin der Studie und Doktorandin der Umweltwissenschaften an der Ohio State University.

„Für den durchschnittlichen Menschen, der durstig ist und etwas trinken möchte, wäre es am besten, direkt Wasser aus dem Hahn zu trinken, statt zu bereits abgefülltem Wasser zu greifen.“

Dieses Ergebnis stellt eine verbreitete Annahme infrage. Plastikverpackungen, die Wasser schützen sollen, könnten Verunreinigungen tatsächlich bereits vor dem Trinken einbringen.

Warum Nanoplastik lange verborgen blieb

Die meisten früheren Untersuchungen konzentrierten sich auf Mikroplastik statt auf Nanoplastik. Das zentrale Hindernis war nicht mangelndes Interesse, sondern die Technik: Nanoplastik ist extrem klein und lässt sich mit üblichen Testverfahren nur schwer nachweisen.

Hart erklärte, dass sich nur wenige Studien auf Nanoplastik richteten, weil zuverlässige Nachweisinstrumente bislang begrenzt waren.

Für diese Untersuchung wurden Rasterelektronenmikroskopie und optische photothermische Infrarotspektroskopie kombiniert. Mit der einen Methode konnten die Forschenden Partikel deutlich sichtbar machen, mit der anderen ihre chemische Zusammensetzung bestimmen.

Gemeinsam machten diese Werkzeuge Kunststoffpartikel in Größen sichtbar, die zuvor nur selten gemessen worden waren. Der verbesserte Nachweis lieferte ein vollständigeres Bild der Kunststoffverschmutzung im Trinkwasser.

Mögliche Gesundheitsrisiken durch Nanoplastik

Wissenschaftler arbeiten weiter daran, zu verstehen, wie Nanoplastik auf den menschlichen Körper wirkt. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass kleinere Kunststoffpartikel bedenklicher sein könnten als größere Fragmente.

Nach der Aufnahme in den Körper kann Nanoplastik wichtige biologische Barrieren überwinden. Die tägliche Belastung über Trinkwasser wirft Fragen nach langfristigen Folgen auf, die die Forschung bisher noch nicht vollständig beantworten kann.

„Obwohl wir die Risiken für die menschliche Gesundheit im Zusammenhang mit der Belastung durch Nanoplastik noch nicht wirklich vollständig verstehen, ist es dennoch besser, dieses Risiko möglichst zu mindern, denn die Hinweise zeigen, dass sie Probleme verursachen, auch wenn wir noch nicht genau wissen, welche das sind“, sagte Hart.

Die Belastung nach Möglichkeit zu senken, ist daher ein praktischer Schritt, während das wissenschaftliche Verständnis weiter wächst.

Woher Kunststoffpartikel wahrscheinlich stammen

Die Forschenden gingen davon aus, dass Flaschenwasserverpackungen zur Verunreinigung beitragen. Die Ergebnisse bestätigten diese Erwartung: Die meisten im Flaschenwasser gefundenen Kunststoffpartikel stammten wahrscheinlich aus der Flasche selbst.

Woher die Kunststoffpartikel im aufbereiteten Leitungswasser kommen, bleibt unklar. Trotz dieser Unsicherheit bestand mehr als die Hälfte aller nachgewiesenen Partikel aus Nanoplastik. Dieses Ergebnis verdeutlicht, wie weit verbreitet und beständig diese Fragmente inzwischen sind.

John Lenhart, leitender Autor der Studie und Professor für Umweltingenieurwesen an der Ohio State University, erläuterte, weshalb die Einbeziehung von Nanoplastik das Gesamtbild veränderte.

„Die Konzentrationen, die wir festgestellt haben, waren höher als erwartet, was wir – anders als frühere Studien – auf die Einbeziehung von Nanoplastik zurückführen konnten“, sagte Lenhart. „Dieser Schwerpunkt bestätigt viele der Erkenntnisse, die wir gewonnen haben.“

Frühere Untersuchungen könnten die Kunststoffverschmutzung unterschätzt haben, weil ihnen die kleinsten Partikel entgingen.

Bessere Wasseraufbereitung

Die Berücksichtigung von Nanoplastik bei Wasseranalysen eröffnet neue Möglichkeiten, Aufbereitungssysteme zu verbessern. Wissenschaftler können nun untersuchen, wie unterschiedliche Verfahren die Entfernung von Kunststoff beeinflussen.

„Wenn wir die grundlegende Zusammensetzung der Stoffe im Wasser und die Reaktionen verstehen, die für die Kontrolle dieser Zusammensetzung wichtig sind, können wir bessere Entscheidungen für die künftige Aufbereitung oder Sanierung treffen“, sagte Lenhart. „Deshalb sind Analysen wie diese so vielversprechend.“

Die Studie behauptet nicht, dass Leitungswasser frei von Kunststoff ist. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass Flaschenwasser nicht automatisch die sauberere Wahl darstellt.

Präzisere Daten und bessere Werkzeuge unterstützen nun klügere Entscheidungen über Trinkwasser und die langfristige Gesundheit.

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