Die Côte d’Ivoire hat einen Weg gefunden, zwei Herausforderungen gleichzeitig anzugehen: die wachsenden Mengen an Kunststoffabfällen und den Mangel an geeigneten Lernräumen für Schülerinnen und Schüler. Mithilfe einer kolumbianischen Technologie für modulare Bausteine wurden im Land bereits 516 Klassenräume errichtet; im Juli 2026 befanden sich weitere 12 im Bau.
Wie wird weggeworfener Kunststoff zu Baumaterial für Schulen?
Das Vorhaben verarbeitet Abfälle, die in Abidjan und umliegenden Gemeinden gesammelt werden. In einer örtlichen Fabrik werden sie sortiert und aufbereitet. Anschliessend entsteht daraus ein leichtes, widerstandsfähiges Blocksystem, dessen Elemente ohne komplizierte Maurerarbeiten ineinandergreifen.
- Kunststoffabfälle werden eingesammelt und sortiert;
- ungeeignete Stoffe wie PVC werden ausgesondert;
- der Kunststoff wird verarbeitet und zu Bausteinen geformt;
- die Elemente werden zu den jeweiligen Baustellen transportiert;
- die Blöcke werden zusammengesteckt, um Wände und Trennwände zu errichten.
Weshalb werden die Blöcke mit einem riesigen Lego verglichen?
Die Bauteile besitzen aufeinander abgestimmte Formen, sodass sie wie bei einem grossformatigen Konstruktionsspielzeug ineinanderpassen. Dadurch entfallen einzelne Arbeitsschritte, und ein Klassenraum lässt sich innerhalb weniger Wochen aufbauen. Bei herkömmlichen Gebäuden kann dies dagegen mehrere Monate dauern.
Die Technik für Bausteine aus recyceltem Kunststoff entwickelte das kolumbianische Unternehmen Conceptos Plásticos. Über eine 2018 begonnene Partnerschaft gelangte sie in die Côte d’Ivoire. Bereits im folgenden Jahr wurde in Abidjan die erste Fabrik dieser Art in Afrika eröffnet.
Welche Vorteile bieten die Bausteine für Klassenräume?
Neben der Wiederverwertung von Abfällen sind die Blöcke wasserdicht, dämmend und zur Verbesserung des Brandschutzes behandelt. Sie wiegen zudem weniger als konventionelle Baustoffe und leiten Wärme nur schlecht weiter, wodurch es in den Klassenräumen weniger heiss bleibt.
- Schnellere Bauweise als beim traditionellen Mauerwerk;
- geringerer Verbrauch von Zement und weiteren Rohstoffen;
- niedrigere Kosten für Arbeitskräfte und Instandhaltung;
- widerstandsfähig gegen Wasser, Wind und bestimmte Schädlinge;
- bessere Wärme- und Schalldämmung;
- Nutzung von Abfällen, die sonst Strassen und Flüsse verschmutzen würden.
Wie schafft das Projekt zusätzlich Einkommen für Frauen?
Ein grosser Anteil des verwendeten Kunststoffs wird von Frauen gesammelt, die bereits zuvor informell im Abfallbereich tätig waren. Das Projekt unterstützte sie dabei, Vereinigungen aufzubauen, Schulungen zu erhalten und sicherere Bedingungen für Sammlung, Lagerung und Verkauf des Materials zu schaffen.
Zugleich bleibt der wirtschaftliche Wert des Recyclings im Land. Während in der Anfangsphase sämtliche Blöcke aus Kolumbien importiert wurden, basiert die Fertigung inzwischen auf lokal entsorgtem Kunststoff. So wird aus einem Umweltproblem Einkommen und Bildungsinfrastruktur.
Hat das Projekt tatsächlich 550 Schulen gebaut?
Die veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf Klassenräume und nicht auf 550 vollständig errichtete Schulen. Laut einer am 2. Juli 2026 veröffentlichten Bilanz waren 516 Räume fertiggestellt, 12 weitere im Bau und mehr als 3.220 Tonnen Kunststoff recycelt. Das ursprüngliche Ziel bestand darin, 528 Klassenräume für ungefähr 25.000 Kinder zu schaffen.
Die Lösung verdeutlicht, wie die Kreislaufwirtschaft Abfallmanagement, Arbeit und Bildung miteinander verbinden kann. Ebenso wie andere Materialien gegen Schädlinge geschützt werden müssen, die Gebäude und Möbel beschädigen können, brauchen auch diese Blöcke Sicherheits- und Haltbarkeitsprüfungen. Wenn diese Kontrolle gewährleistet ist, kann Kunststoff, der sich zuvor auf den Strassen ansammelte, zu Wänden für neue Lernorte werden.
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